Sommer-Hitze: Wie Medikamente ihre Wirkung verändern

Hohe Temperaturen können die Wirkung von Medikamenten beeinflussen. Welche Risiken Hitzeperioden bergen und worauf Betroffene achten sollten. An heißen Sommertagen arbeitet der Körper intensiv daran, sich vor Überhitzung zu schützen. Die Blutgefäße weiten sich, die Haut wird stärker durchblutet und durch Schwitzen geht mehr Flüssigkeit verloren. Das kann dazu führen, dass Medikamente anders wirken als gewohnt – manchmal stärker, manchmal schwächer. Wer regelmäßig Arzneimittel einnimmt, sollte daher während längerer Hitzephasen besonders aufmerksam sein und mögliche Risiken mit dem Arzt besprechen. Beispiel 1: Wirkstoffpflaster können zur Überdosierung führen Schmerz- oder Hormonpflaster geben ihre Wirkstoffe über die Haut an den Körper ab. An heißen Tagen wird die Haut jedoch stärker durchblutet. Dadurch kann mehr Wirkstoff in den Körper übergehen als sonst, was das Risiko einer Überdosierung erhöht. Besonders kritisch ist das bei opioidhaltigen Schmerzpflastern: Nimmt die Haut mehr Wirkstoff auf, kann das im Extremfall die Atmung lebensbedrohlich verlangsamen. Beispiel 2: Entwässernde Tabletten fördern Flüssigkeitsverlust Entwässernde Medikamente (Diuretika) werden häufig bei Bluthochdruck oder bei Herzschwäche eingesetzt. Sie sorgen dafür, dass der Körper mehr Flüssigkeit ausscheidet. An heißen Tagen kann das problematisch werden: Durch starkes Schwitzen verliert der Körper ohnehin mehr Wasser, sodass er durch die Medikamente womöglich rascher austrocknet. Mögliche Warnzeichen sind unter anderem Kopfschmerzen, Schwindel und Konzentrationsstörungen. Um den Flüssigkeitshaushalt im Blick zu behalten, kann es für Betroffene ratsam sein, sich während einer Hitzewelle täglich zu wiegen. Nimmt das Körpergewicht von Tag zu Tag ab, kann das auf einen Flüssigkeitsverlust hindeuten. Herzpatienten: Bei Hitze täglich auf die Waage "Stiller Killer": Für wen die heißen Tage am gefährlichsten sind Beispiel 3: Insulin wirkt schneller Auch Menschen mit Diabetes sollten bei Hitze vorsichtig sein. Wird das Hormon Insulin in eine stärker durchblutete Haut gespritzt, kann es schneller wirken als gewohnt. Dadurch steigt das Risiko für Unterzuckerungen. Tückisch dabei: Typische Anzeichen wie Schwitzen, Müdigkeit oder Erschöpfung werden leicht mit den Folgen der Hitze verwechselt. Diabetiker sollten ihre Blutzuckerwerte deshalb an heißen Tagen häufiger kontrollieren. Außerdem verträgt das Hormon hohe Temperaturen schlecht. Insulin-Pens sollten daher nicht in der prallen Sonne liegen oder längere Zeit Temperaturen über 30 Grad ausgesetzt sein. Verfärbtes oder ausgeflocktes Insulin sollte nicht mehr verwendet werden. Vorsicht bei Hitze: So lagern Sie Ihre Medikamente ab 25 Grad richtig Risiken steigen: Warum Hitzewellen das Gehirn besonders belasten Manche Medikamente erschweren die Abkühlung Bestimmte Arzneimittel beeinflussen zudem die Fähigkeit des Körpers, Wärme abzugeben. Dazu zählen unter anderem einige Antidepressiva, Antipsychotika oder Antihistaminika. Sie können das Schwitzen vermindern oder die Temperaturregulation stören. Dadurch steigt das Risiko für Hitzeschäden. Darüber hinaus dämpfen manche Medikamente das Durstgefühl oder machen müde und benommen. Betroffene bemerken dann möglicherweise nicht rechtzeitig, dass ihr Körper mehr Flüssigkeit benötigt. Höheres Sonnenbrandrisiko Einige Wirkstoffe erhöhen die Lichtempfindlichkeit der Haut. Dazu gehören bestimmte Antibiotika sowie entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen oder (vor allem bei Auftragung als Gel) Diclofenac. Schon kurze Aufenthalte in der Sonne können dann zu starken Hautreaktionen oder Sonnenbrand führen. Medikamente, die bei Hitze Probleme verursachen können Überschrift Beispiele Mögliche Probleme bei Hitze Entwässerungsmittel (Diuretika) Furosemid, Hydrochlorothiazid Flüssigkeitsverlust, Austrocknung, Schwindel, vermindertes Durstgefühl Blutdrucksenker Ramipril, Valsartan, Metoprolol vermindertes Schwitzen, Blutdruckabfall, erhöhtes Risiko für Kreislaufprobleme und Ohnmacht Antidepressiva Sertralin, Venlafaxin, Amitriptylin gestörte Schweißbildung, Probleme bei der Temperaturregulation Antipsychotika Olanzapin, Quetiapin, Risperidon verminderte Schweißproduktion, Überhitzungsgefahr Antihistaminika Diphenhydramin, Doxylamin, Promethazin verminderte Schweißbildung, Müdigkeit Schmerzmittel (NSAR) Ibuprofen, Diclofenac erhöhtes Risiko für Nierenschäden bei Flüssigkeitsmangel Lithium Lithium Gefahr erhöhter Wirkstoffspiegel bei Austrocknung Mittel gegen Epilepsie Topiramat, Carbamazepin beeinträchtigte Wärmeabgabe, Schwindel Schilddrüsenhormone Levothyroxin verstärktes Schwitzen bestimmte Antibiotika Tetrazykline, Fluorchinolone erhöhte Sonnenempfindlichkeit der Haut ADHS-Medikamente Methylphenidat erhöhte Körpertemperatur Medikamente nie eigenmächtig absetzen Wer regelmäßig Arzneimittel einnimmt und während einer Hitzewelle Beschwerden bemerkt, sollte mit dem Arzt Rücksprache halten. Bei längeren Hitzephasen kann es nötig sein, die Medikamentendosis anzupassen. Keinesfalls sollten Betroffene die Dosierung auf eigene Faust ändern oder das Mittel absetzen. Ratsam ist zudem an heißen Sommertagen: viel trinken, im Schatten bleiben und zu viel Anstrengung und Aufregung vermeiden. So lassen sich hitzebedingte Risiken zusätzlich verringern.