Rosazea: Diese Hautkrankheit steckt hinter der roten Nase

Eine rote Nase gilt schnell als Zeichen von Alkoholmissbrauch. Dahinter können aber ganz andere Ursachen stecken, von denen Millionen betroffen sind. Er oder sie hat "eine gesunde Gesichtsfarbe" – die Aussage gilt zuweilen als süffisante charakterliche Zuschreibung für Menschen mit leichtem oder gewichtigerem Alkoholproblem. Nicht immer ist diese Schnelldiagnose zutreffend, ebenso wenig wie Rückschlüsse, jemand schäme sich oder stehe unter Druck: Eine gerötete Nase kann Signal für weitaus mehr sein. Unsere Nase ist besonders stark durchblutet: Hier hat sich ein dicht gewirktes Netz aus feinsten Blutgefäßen gebildet – und die reagieren sensibel und prompt auf plötzliche Temperaturwechsel, individuell auf plötzlich aufflammende Emotionen, auf UV-Strahlung, diverse Hauterkrankungen, den Genuss scharfer Gewürze – und ja, auch auf mehr oder weniger intensiven und regelmäßigen Alkoholgenuss. Scharf gewürzt Viele Ursachen für eine solche Rötung sind harmlos und gehen schnell vorüber. Trifft Kälte auf unser Gesicht, ziehen sich die Blutgefäße spontan zusammen – so wird Wärme gespart – und erwärmen und entspannen sich später wieder. Dabei erweitern sie sich so stark, dass sich in der Tat eine gesunde Gesichtsröte entfaltet. Ähnliches ist bei einer scharf gewürzten und dazu vielleicht noch stark erhitzten Mahlzeit zu beobachten, aber auch im Zusammenhang mit physischer Anstrengung oder emotionalem Stress: Wir erröten. Interessant oder schwierig wird es erst, wenn die Rötung nicht wieder zurückgeht. Dann könnte beispielsweise Rosazea eine der möglichen Ursachen sein. Die chronisch entzündliche Krankheit, auch Kupferrose genannt, betrifft schätzungsweise fünf bis zehn Prozent der deutschen Bevölkerung. Es sind meist Erwachsene mittleren Alters und helleren Hauttyps. Die Krankheit zeigt sich auf unterschiedliche Weise Die Erkrankung sieht nicht bei allen Betroffenen gleich aus. Sie manifestiert sich meist in der Mitte des Gesichts, an Nase, Wangen, Kinn und Stirn. In selteneren Fällen sind auch die Kopfhaut, der Nacken oder die Brust einbezogen. Sind die Gefäße anfangs nur vorübergehend gerötet, bleiben sie nachfolgend dauerhaft erweitert und ziehen sich als rote Äderchen durch die Haut. In manchen Fällen entwickeln sich damit einhergehend Papeln, Pusteln oder entzündliche Knötchen. Die Haut zeigt sich empfindlicher als zu Zeiten vor der Erkrankung: Sie kann trocken oder ölig werden, anschwellen, brennen oder jucken oder sich leicht abschälen. Viele Betroffene leiden unter Stechen, Spannungs- und/oder Hitzegefühl und einer ausgeprägten Unverträglichkeit gegenüber Kosmetika, Peelings, Duftstoffen oder zu reichhaltigen Cremes. Klischee der Säufernase Die Ursachen des Hautleidens sind bis heute nicht restlos geklärt. Genetische, familiäre Veranlagung kann eine Rolle spielen, es kann auch der Hinweis auf Entzündungs- und Immunreaktionen unserer Haut sein oder darauf, dass ihre Schutzfunktion gestört ist. Manchmal weist Rosazea auf ein vermehrtes Auftreten bestimmter Hautmilben, der Demodex-Milben, hin. Auch eine überaktive angeborene Immunabwehr, Störungen der Gefäßregulation und eine veränderte Hautbarriere werden diskutiert. Wie schon angedeutet, ist Alkoholmissbrauch nicht als Ursache von Rosazea bekannt. Er kann die bestehenden Rötungen allenfalls verstärken, deshalb hält sich das Klischee der "Säufernase" nach wie vor recht hartnäckig. Alkohol ist also eher Trigger als Ursache: Er erweitert die Gefäße, kann Flushs, also heftige Schübe, auslösen und eine bestehende Rosazea sichtbarer machen. Wenn die Augen betroffen sind Bevorzugt bei Männern kann es auch zur Bildung eines Rhinophyms kommen, so die medizinische Bezeichnung für die sogenannte Knollennase, die meistens Folge einer schweren, über Jahre anhaltenden Rosazea ist: Hier vermehren sich Bindegewebe und Talgdrüsen der Nase, sie wird größer, knotiger und unregelmäßig. Auch hier gilt: Das Rhinophym ist kein Beweis für Alkoholmissbrauch, sondern eine entzündlich-gewebige Umbauform der Rosazea. Manchmal befällt die Entzündung auch die Augen und die Augenlider. Mediziner sprechen von der okulären Rosazea. Die Betroffenen reagieren lichtempfindlicher und haben gerötete Augen und Augenlider. Bindehaut- oder Lidrandentzündungen können die Folge sein. Typisch sind trockene, brennende, sandige Augen, verklebte Lidkanten, wiederkehrende Gerstenkörner oder eine Funktionsstörung der Talgdrüsen an den Lidrändern, Meibomdrüsen-Dysfunktion genannt. Hier hilft nicht nur "manchmal", sondern unbedingt der Augenarzt – vor allem, wenn Schmerzen, Lichtscheu oder Sehverschlechterung auftreten. Diese Mittel können helfen Ansonsten untersucht und behandelt der Dermatologe die Erkrankung. Je eher sie erkannt wird, umso effizienter kann sie therapiert werden. Entweder topisch, also äußerlich, mit Gels, Cremes oder Lotionen, oder systemisch, also mit Kapseln. Oft wird kombiniert. Zu den äußerlichen Wirkstoffen gehören je nach Befund etwa Metronidazol, Azelainsäure oder Ivermectin gegen entzündliche Papeln und Pusteln; bei starker anhaltender Gefäßrötung können gefäßverengende Wirkstoffe, wie Brimonidin als Creme, eingesetzt werden. Innerlich kommen bei entzündlichen Papeln und Pusteln niedrig dosierte Tetrazykline, insbesondere Doxycyclin, in Betracht; sehr hilfreich ist auch der Vitamin-A-Abkömmling Isotretinoin – Frauen im gebärfähigen Alter müssen darunter zuverlässig verhüten, da der Wirkstoff zu schweren Fehlbildungen bei Ungeborenen führen kann. Weiterhin stehen Laserbehandlungen zur Verödung der erweiterten Gefäße oder die operative beziehungsweise laserchirurgische Abtragung des Wuchergewebes beim Rhinophym zur Verfügung. Es ist nicht immer Rosazea Der Arzt kann auch feststellen, ob andere Ursachen für die Hautentzündung infrage kommen, etwa ein seborrhoisches Ekzem, das oft durch Rötungen und fettige Schuppen an den Nasenflügeln zutage tritt. Auch eine entzündliche Hauterkrankung, die periorale Dermatitis, sowie irritative oder allergische Kontaktekzeme, Reaktionen auf Kortisoncremes oder Medikamente in Kombination mit Sonneneinstrahlung, Lichtschäden, weißer Hautkrebs oder andere Hauttumoren können im Nasen- und Gesichtsbereich rötlich auffallen. Zudem spielen auch Kontaktallergien auf bestimmte Kosmetika, Duftstoffe oder Sonnencremes eine Rolle. Auch Lupus erythematodes und Dermatomyositis, Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem fälschlicherweise körpereigenes Gewebe angreift, äußern sich durch Rötungen im Gesichtsbereich, ebenso wie Neurodermitis . Ohnehin rötet sich mit zunehmendem Alter zuweilen die Nase. Unsere Haut wird dünner, die Gefäße scheinen stärker durch und "bedanken" sich auf diese Weise für die jahrzehntelange UV-Belastung. Damit einhergehend nimmt die Fähigkeit der Gefäße ab, sich flexibel zusammenzuziehen. Das Gesicht ist unsere Visitenkarte Weitere Rotnasen- oder Rotgesichts-Ursachen sind Kälteschäden, Perniones, also Frostbeulen, eine Kältenesselsucht, Sonnenbrand , Hitze-Flushs in den Wechseljahren, Bluthochdruck-Flushs, Medikamente wie Blutdrucksenker zur Gefäßerweiterung, Kortisonnebenwirkungen, eine ausgeprägte Lichtschädigung der Haut, selten auch Sarkoidose , eine entzündliche Systemerkrankung, bei der blaurote Schwellungen an Nase, Wangen oder Ohren auftreten können. Auch eine bakterielle Infektion der oberen Hautschichten und der Lymphwege wie das Erysipel, auch Wundrose genannt, können die Nase plötzlich stark röten, überwärmen und schmerzen lassen – das ist dann kein kosmetisches Thema, sondern ein akuter medizinischer Fall. Da Rosazea eine für alle sichtbare Erkrankung ist, haben Betroffene mitunter auch psychische Probleme damit – durch einen möglichen Hang zu sozialer Abschottung, der leicht in Depressionen oder Angststörungen münden kann. Das Gesicht ist unsere Visitenkarte, und wer ständig auf seine rote Nase angesprochen wird, fühlt sich nicht selten beschämt, missverstanden oder vorschnell abgestempelt. So kann Ernährung helfen Für Menschen mit Rosazea sind konsequenter Sonnenschutz und geeignete Hautpflege besonders wichtig. Bei Letzterer liegt der Schwerpunkt auf milden, seifenfreien Reinigungsprodukten mit niedrigem pH-Wert, bei denen Reizstoffe wie Alkohol, Menthol oder Duftstoffe draußen bleiben. Sinnvoll sind leichte, reizarm formulierte Cremes mit Barriereschutz. Vorsichtiger sollte man mit Peelings, Fruchtsäuren, Retinoiden, ätherischen Ölen, scharfen Bürsten, heißem Wasser, Sauna im akuten Schub und stark fettenden, folienhaften Salben sein – jedenfalls in aktiven Phasen. Wichtig für den alltäglichen Umgang ist eine "antientzündliche" Ernährung – mit Verzicht auf verarbeitetes Fleisch, eingeschränktem Kuhmilch- und Zuckerkonsum, viel Gemüse, wenig Weißmehl, dafür Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte und Pflanzenöle. Der Darm sollte in Balance sein, auch ein Magenkeim, also ein Helicobacter-pylori-Befall, kann bei manchen Betroffenen eine Rolle spielen und sollte bei passenden Beschwerden abgeklärt werden. Günstig sind ausreichend Omega-3-Fettsäuren, Zink, Vitamin D , Selen, genug Eisen und eine insgesamt gute Versorgung mit Eiweiß und Ballaststoffen. Klares, lauwarmes Wasser Eine rote Nase ist also nicht einfach nur ein kosmetisches Detail. Sie kann ein Hinweis auf überaktive Gefäße, chronische Entzündungen, Hauterkrankungen oder Sonnenschäden sein. Die Nase verrät oft mehr über unsere Hautgesundheit, als uns bewusst ist. Das Gesicht wird am besten mild gereinigt: Häufig reicht klares, lauwarmes Wasser; allenfalls gelegentlich eine sehr milde, duftstofffreie Reinigung und mit dem Handtuch etwas abrubbeln. Feuchtigkeitsspendende Cremes sind möglich, nicht immer nötig. Nötig sind sie vor allem dann, wenn die Haut spannt, brennt, schuppt oder trocken ist. Entzündung wird oft als "trocken" verkannt. Gehen Sie immer der Nase nach und kommen Sie gesund durch die Zeit!