Filzläuse erkennen: Schützen Sie sich vor den Plagegeistern

Unscheinbare Tierchen können nicht nur durch intimen Kontakt übertragen werden, sondern auch über Bettwäsche und Handtücher. Trotz strengster Hygiene ist niemand vor den Parasiten gefeit. Ein Patient von mir hegte einmal den Verdacht, bei den kleinen spinnenartigen Tierchen, die ihm fröhlich durch die Schambehaarung krabbelten, handele es sich um Zeckenbabys vom unlängst abgeräumten Weihnachtsbaum. Nach näherer Inaugenscheinnahme musste ich dem jungen Familienvater mitteilen, dass diese schöne Bescherung leider absolut nichts mit Weihnachten zu tun hatte: Es handelte sich schlicht um Filzläuse. Bei eingehender Klärung der Läuse-Provenienz erwies sich, dass er sie sich bei der Hotelübernachtung während einer Dienstreise eingefangen hatte. So einfach kann man nämlich von den weiß-gräulichen, 1,5 bis 2 Millimeter großen Insekten befallen werden. Sie sind kleiner als Kopfläuse, mit bloßem Auge erkennbar und wirken in der Vergrößerung wie putzige kleine Krabben: Obwohl sie ihren Wirt in der Mehrheit der Fälle bei intimen sexuellen Kontakten finden, ist auch – jedoch deutlich seltener – die Anreise über Bettwäsche, gemeinsam benutzte Handtücher oder Kleidung möglich. Hemmen die Blutgerinnung Als peinlich wird ihr Auftreten aber in jedem Fall empfunden, dabei kann uns auch strengste Körperhygiene nicht davor schützen. Deshalb muss auch niemand den Weg zum Arzt scheuen. Einmal im feuchtwarmen Milieu unserer Genitalregion angekommen, gönnen sich die ungebetenen Gäste erst einmal einen kräftigen Schluck Menschenblut. Dafür stechen sie etwa zehnmal pro Tag in die Haut und saugen sich voll. Das muss vom neuen Quartiergeber nicht einmal bemerkt werden. Sie spritzen ihren Speichel in die Einstichstelle, um die Blutgerinnung zu hemmen. Dann legen die Läuse ihre milchig schimmernden Eier (Nissen) am Schaft des Schamhaares ab. Die Weibchen – sie überleben etwa vier Wochen – bringen es auf rund 30 Eier im Laufe ihres Lebens und liefern auch gleich das Sekret mit, um sie an der Schambehaarung zuverlässig anzukleben. Der Nachwuchs nimmt sich jetzt zwei bis drei Wochen Zeit, sich zu ausgewachsenen Läusen zu entwickeln. Gleich auf andere Krankheiten testen Manchmal nisten sie auch in den Achselhöhlen, in selteneren Fällen im Bart oder in den Augenbrauen. Besteht dieser Verdacht, wird der Arzt auch gleich die Wimpern untersuchen: Immerhin muss mit einer Entzündung der Lidränder oder einer Bindehautentzündung gerechnet werden. Bald machen Filzläuse sich allgemein durch starken Juckreiz bemerkbar, der – wie gesagt – von ihrem Speichel herrührt und uns besonders gern nachts quält. Zu spüren ist er im Intimbereich, aber auch in anderen Körperregionen. Die Bissstellen wandeln sich in rote oder bläulich-graue Hautflecken. Wer beim Kratzen oder beim Ausschütteln der Leibwäsche braune Krümel zutage fördert, hat es mit dem Kot der Filzlaus zu tun. Es ist leichter gesagt als getan, diesem Juckreiz zu widerstehen, aber aufgekratzte Hautstellen können sich bakteriell mehrfach infizieren, also superinfizieren. Seltener sind angeschwollene Lymphknoten , etwa in der Leistengegend, wahrzunehmen. Außerdem gilt: Filzläuse sind ein Anlass, auch an andere sexuell übertragbare Infektionen zu denken (zum Beispiel Chlamydien, Gonokokken, Syphilis , Hepatitis oder HIV) und sich gegebenenfalls testen zu lassen. Für hartnäckige Fälle Die Infektion mit den Parasiten hat zwar in den meisten Fällen keine weitreichenden Folgen für die Gesundheit, es gibt allerdings auch keinen hundertprozentig wirksamen Schutz dagegen. Nicht einmal die Benutzung eines Kondoms hält sie davon ab, sich im Zuge eines engen körperlichen Kontakts einen neuen Gastgeber zu suchen. Mehr gefährdet sind Personen mit häufig wechselnden Sexualpartnern, ganz gleich ob hetero- oder homosexuell. Wie bei Haut- und Geschlechtskrankheiten allgemein, kann man sich durch möglichst frühes Aufsuchen des Arztes einen Zeitvorteil gegenüber dem Erreger sichern. Der Arzt verordnet ein Läusemittel, meist Permethrin, einen antiparasitären Wirkstoff, der unter anderem auch bei der Bekämpfung von Kopfläusen zum Einsatz kommt. Daneben existieren auch physikalisch wirkende, also Läuse erstickende Präparate. Sie sind vor allem aus der Kopflaustherapie bekannt. Nach angemessener Einwirkzeit wird alles gründlich mit Wasser abgespült, und die getöteten Läuse und Nissen lassen sich sorgfältig ablesen. Wer bei dieser Therapie effizienter sein will, kann die Schamhaare rasieren – allein wird man Filzläuse dadurch aber nicht ganz sicher los. Sie flüchten sonst gern auch mal gen Oberschenkellocken. Die Behandlung kann, wenn nötig, eine Woche oder zehn Tage später wiederholt werden – erforderlichenfalls in hartnäckigen Fällen auch mit Ivermectin (Tabletten; Wiederholung nach 7 bis 14 Tagen). Vorsicht vor dem Pingpong-Effekt Sind Augenbrauen oder Wimpern befallen, wird der Arzt eine fettende Salbe wie Vaseline oder Olivenöl verordnen, die den Parasiten schlicht die Luft zum Atmen nimmt. Die ungebetenen Gäste werden dann vom Arzt vorsichtig mit der Pinzette entfernt. Wichtig: Insektizide nicht in Augennähe anwenden. Die Intimgegend wird dann mit einem gut gereinigten Läusekamm bzw. Nissenkamm durchpflügt, um die abgetöteten Läuse, ihre Eier und das Insektizid aus der Schambehaarung zu lösen. Für im Haushalt oder im Familienverband lebende Intimpartner wird parallel das volle Programm empfohlen: Nur so ist zu verhindern, dass die Parasiten beim Partner überwintern, ehe sie nach erfolgreicher Behandlung einfach zurückkehren. Es droht der Pingpong-Effekt. Bei 60 Grad wachen Dann ist es ratsam, häufiger als sonst – über mehrere Tage, wenn möglich, sogar täglich – Kleidung, Handtücher und Bettwäsche zu wechseln und bei 60 Grad zu waschen. Sollte das nicht möglich sein, verschließt man die Textilien über mindestens zwei Wochen in Plastikmüllsäcken. Ist ein Familienmitglied betroffen, sollten die anderen keine Wäsche mit ihm gemeinsam benutzen. Bis zum Abschluss der Behandlung ist eine Vermeidung von Sex und sonstigem engeren Hautkontakt angesagt. Es empfiehlt sich zudem, alle Personen, mit denen man im Monat vor Feststellung der Infektion sexuellen Kontakt hatte, über den Filzlausbefall zu informieren. Gegebenenfalls können auch sie sich dann in ärztliche Behandlung begeben. Kurze Stoppeln reichen aus Die generelle Intimrasur, unabhängig von einer Infektion, erschwert es den Parasiten zwar, sich einzunisten, ein hundertprozentiger Schutz ist sie indes auch nicht. Denn schon kurze Stoppeln reichen, und Filzläuse können auch andere behaarte Körperregionen besiedeln oder über engen Körperkontakt erneut übertragen werden. Wie auch immer – erwehren Sie sich der Plagegeister und kommen Sie gesund durch die Zeit!