Ernährung von Leistungssportlern: Wie die deutsche Nationalelf auf Zuckerkonsum achten muss

Ernährung spielt bei Athleten eine große Rolle. Zuletzt sorgte Spitzenklub PSG für Wirbel. Wie sieht es bei der DFB-Elf und anderen Sportstars aus?Zuerst das Dessert essen und am Ende den Salat? Keine Softdrinks oder Cola zu sich nehmen? Solche Ernährungsweisen, wie beispielsweise erstere von Barça-Stürmer Robert Lewandowski oder letztere der Stars von Paris St. Germain, sorgen immer wieder für Erstaunen in der Sportwelt. Gerade das Streichen der zuckerhaltigen Getränke der PSG-Spieler beim Mannschaftsessen kam unerwartet. Doch seit Christophe Galtier Trainer beim französischen Topklub ist, wird laut der Zeitung "Le Parisien" hart durchgegriffen. Ähnlich geschah dies vor Jahren bei Manchester City, als Pep Guardiola laut englischen Medien den Verkauf von Süßigkeiten auf dem Gelände verbot. Doch was bringen diese Verbote wirklich? Welche Auswirkungen hat das auf die Leistung der Athleten? t-online hat bei Experten und aktiven Spitzensportlern nachgefragt."Gibt kein generelles Zuckerverbot" Tatsächlich ist der Konsum von Zucker auch bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zwar reguliert – aber nicht gänzlich verboten. Anton Schmaus, Koch des DFB-Teams, sagt im Gespräch mit t-online: "Wir achten auf den Zuckergehalt und reduzieren ihn. Wenn wir Zucker benutzen, dann keinen raffinierten, sondern Kokosblütenzucker. Es gibt aber kein generelles Zuckerverbot."Schmaus ist seit August 2017 Koch der Nationalmannschaft und reist mit den Spielern und dem ganzen Staff zu allen Länderspielen. Dabei muss er sich immer wieder auf die Gegebenheiten vor Ort einstellen und sich um das kulinarische Wohl der Sportler kümmern. Dazu gehört eine ausgewogene Ernährung. Daher erklärt Schmaus weiter: "Desserts werden mit wenig Zucker zubereitet. Ich versuche auch mit natürlichem Zucker wie beispielsweise Banane zu arbeiten. Dann ist es auch kein Problem für den Körper. Es kann kein dunkles Schokoladenmousse mit 50 Prozent Zucker und Sahne geben. Aber eine Schokoladenmousse mit dunkler Kuvertüre, Avocado, Banane und Kokos ist eine gute Alternative." Um fit zu bleiben, sollten Sportler wenig Zucker zu sich nehmen. Zu viel davon kann die Darmflora negativ beeinflussen und sie so anfälliger für Infektionen machen. Daher ist für Joshua Kimmich, Thomas Müller oder auch Manuel Neuer die Dosis relevant. "Das Dessert ist das einzige Süße, das die Spieler bei uns am Tag bekommen. Schokolade oder Gummibären gibt es nicht", sagt Schmaus weiter.Kaul erklärt Gummibärchen-Video von München Einen ganz anderen Eindruck erweckte Zehnkampf-Europameister Niklas Kaul, als er beim Essen von Gummibärchen während der Heim-EM gefilmt wurde. Im Gespräch mit t-online erklärt Kaul jedoch die Hintergründe, sagt: "Im Wettkampf habe ich schon mal gar kein Zuckerverbot. Da ist es insofern ganz gut, weil es schnelle Energie liefert. Gerade beim Stabhochsprung, als letzte Disziplin vor der Mittagspause, da ist man platt, da hilft Zucker ganz gut. Wenn ich in der Saison bin, esse ich zu Hause keine Süßigkeiten. Nicht, weil ich sage, ich müsste darauf verzichten, sondern einfach, weil ich kein Bedürfnis danach habe."Neben der festen Nahrungszufuhr sind auch die Getränke nicht außer Acht zu lassen im Leistungssport. Schmaus, der mehrere Restaurants hat – unter anderem das "Storstad" in Regensburg –, ist beim DFB-Team auch dafür zuständig. Ähnlich wie bei den PSG-Stars sind Softdrinks kein Thema: "Während einer normalen Woche gibt es Säfte mit wenig Zucker beziehungsweise reinem Fruchtzucker zu trinken, vor allem aber Wasser."Zucker? Auch beim serbischen Tennisspieler Novak Djokovic ein Thema, der sich vegan ernährt und seit längerer Zeit gluten- und milchfrei lebt. Er verzichtet größtenteils auf das kristalline Lebensmittel. Ähnlich ist das bei Marathon-Europameister Richard Ringer. Er sagt zu t-online: "Natürlich stehen die ungesunden Sachen, wie Süßigkeiten oder Fast Food, nicht oben auf der Liste." Und ergänzt: "Dafür gibt es einfach auch so viele tolle gesunde Produkte."Ringer mit Ernährungsumstellung vor EM-TriumphÜber seine Ernährung hat sich der 33-Jährige laut eigener Aussage bis zuletzt "noch gar nicht viele Gedanken gemacht, weil man als Ausdauersportler sehr viel Kalorien verbrennt." Allerdings verrät Ringer auch, dass er kurz vor seinem EM-Triumph eine Umstellung vorgenommen hat. Acht Tage vor dem Wettkampf hat der Langstreckenläufer die Saltin-Diät begonnen. Er erklärt: "Ich habe also erst auf Kohlenhydrate verzichtet für vier Tage und mich nur mit Fetten und Eiweißen ernährt und danach eben wieder nur mit Kohlenhydraten bis zum Tag vor dem Wettkampf." Ziel dieser Diät ist eine Erweiterung des Kohlenhydratspeichers um bis zu 20 Prozent.Leichtathletik-EM: Was der Erfolg für Olympia 2024 bedeutetRinger weiter: "Das habe ich das erste Mal gemacht." Er plant diese Art der Ernährung nun auch für weitere Wettkämpfe ein: "Ich habe mich auf jeden Fall beim Marathon sehr gut gefühlt und nie so, als ob ich merken würde, ich werde platt, weil die Energie nachlässt. Es war eine interessante Erfahrung und ich werde sie auch in Zukunft mit einbauen vor dem Wettkampf."Einer, der keine Diäten macht, sich aber ebenso bewusst und aus hauptsächlich eigenem Anbau ernährt, ist Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler. Er betreibt mit seiner Partnerin Lucia den sogenannten Dorfgarten in Jena auf einer Fläche von 2.500 Quadratmetern. Dort wird Gemüse und Obst angebaut.Röhler zu t-online: "Ein Schnellkraftsportler muss sich in seiner Haut sehr wohlfühlen. Wenn du dich selbst mit dem Lebensmittel beschäftigst, hast du einen mentalen Nutzen. Wenn man sich langfristig mit gesundem Obst und Gemüse versorgt, dann spürt man einen Unterschied. Beim Schlaf und Hautbild merkt man es schnell." Röhler hat mit seiner Partnerin inzwischen 30 Abonnenten, die ihre Obst-Gemüse-Kiste einmal in der Woche selbst abholen. "Als Athlet sind Effizienz und Gesundheit sehr wichtig"Dem Speerwerfer liegt der eigene Anbau und Konsum sehr am Herzen: "Wenn man sich mit den Details beschäftigt, kann man 500 Gramm Tomaten essen oder 500 Gramm Tomaten essen und hat im Endeffekt vollkommen unterschiedliche Nährstoffmengen aufgenommen. Gerade was Vitamine und Mineralien angeht. Die Lebensmittelherkunft und die Art, wie das Lebensmittel produziert wurde, ist entscheidend über den Nutzen, wie viel das Lebensmittel einem bringt. Als Athlet sind Effizienz und Gesundheit sehr wichtig und das beides vereint ein regionales Produkt im Schnitt ziemlich gut."Die Familie des Sportlers ernährt sich zudem saisonal und verwendet pro Tag rund drei Stunden fürs Ernten, Zubereiten und Kochen auf. Zeit, die sich laut Röhler auf die Leistung und die bessere Regeneration auszahlt.Unnötige Tabuisierung: Das große Versäumnis des deutschen LeistungssportsSo wie Röhler achtet auch DFB-Koch Schmaus darauf, dass die von ihm verwendeten Produkte die Leistungen der Sportler unterstützen. "Die Sportler wissen genau, was gut und weniger gut ist für sie und ihre Körper. Worauf ich vornehmlich achten muss, ist, ihnen genügend Kohlenhydrate und Proteine zu bieten, und, dass das Essen nicht zu fettig gekocht ist. Daneben versuchen wir auch viel Gemüse und vegetarische Speisen anzubieten", sagt der DFB-Koch und fügt an: "Die Nationalspieler essen über einen längeren Zeitraum jeden Tag bei mir und ich möchte sie mit meinem Essen dabei unterstützen, ihre optimale Leistung abrufen zu können."WM-Planung besonders für den DFB-KochDas funktioniert laut Speerwurf-Olympiasieger Röhler auch mit Produkten aus der Umgebung. "Ich möchte dazu motivieren, Lebensmittel regional zu beziehen", sagt der Goldmedaillen-Gewinner von Rio 2016. Er hat keine speziellen Verbote, schränkt jedoch ebenfalls den Zuckerkonsum ein und hat Kuhmilch aus seinem Ernährungsplan gestrichen. "Wenn ich auf die klassische Kuhmilch verzichte, sind meine Erholungszeiten besser und kleine Entzündungsprobleme regulieren sich schneller", sagt Röhler und fügt jedoch mit einem Lachen in Bezug auf seine Partnerin und sich an: "Einen Käseverzicht schaffen wir nicht ganz, der schmeckt uns zu gut."Auch beim Reisen geht es Röhler gelassen, aber konsequent an: "Nüsse sind bei mir immer im Handgepäck am Start. Ich schaue auch, was es am Flughafen oder Bahnhof gibt, was nicht schädlich ist und natürlich aussieht. Lieber verzichte ich auf eine halbe Mahlzeit, als dass ich etwas esse, von dem ich nicht weiß, was ich eigentlich esse."Auch Anton Schmaus bereitet sich auf große Turniere, wie die kommende WM in Katar, besonders vor. Er erklärt: "Es gibt keine individuellen Speisepläne für die einzelnen Spieler. Die Pläne gelten für alle für das ganze Jahr. Im Vorfeld und während eines Turniers wie der anstehenden WM wird die Planung dann noch detailreicher." Denn, so sagt der Nationalelf-Koch: "Je bedeutender das Spiel im Laufe eines Turniers wird, desto wichtiger wird auch die Ernährung. Sie ist ein wichtiger Baustein." Und einer, der alle Sportler gleichermaßen betrifft. Im Zweifel hat Röhler den wichtigsten Tipp: "Ich folge da auch dem Bauchgefühl."