In Asien gelten sie schon lange als Delikatesse, in Europa setzen sie sich langsam durch: Makroalgen. Doch welche davon sind gesund? Bremer Uni-Forscher haben es untersucht. Fünf essbare Makroalgen, teils in Europa kaum bekannt, könnten künftig eine größere Rolle in der Ernährung spielen. Das zeigt eine neue Studie des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT) und der Universität Bremen. Fakten zum Wintergemüse: Grünkohl – der Krebskiller aus dem Schnapsglas? Die Forscher analysierten die Nährstoffprofile von Grünalgen wie Caulerpa lentillifera oder Codium taylorii sowie der Rotalge Botryocladia pseudodichotoma. Alle untersuchten Arten enthielten hohe Mengen an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, wichtige Mineralstoffe und ausgeprägte antioxidative Eigenschaften. Einige Arten seien zudem erstaunlich proteinreich. Makroalgen: Das kann das Superfood aus dem Meer Vor allem die Omega-3-Fettsäuren stechen hervor: Die Grünalgen lieferten viel Alpha-Linolensäure, die Rotalge besonders viel Eicosapentaensäure – ein Stoff, der sonst vor allem aus Fisch bekannt ist. Auch Kalzium, Magnesium, Natrium und Kalium fanden die Forschenden in nennenswerten Mengen. "Dank ihrer biochemischen Zusammensetzung eignen sich die untersuchten Makroalgen ideal als nachhaltige, nährstoffreiche Lebensmittel", sagt Beatrice Brix da Costa, Erstautorin der Studie. In Südostasien gelten einige der Arten längst als Delikatesse. Die Wissenschaftler betrachteten die Pflanzen jedoch nicht nur als Ersatz auf dem Teller, sondern auch als Baustein für die Ernährungssicherheit. Mit Blick auf die wachsende Weltbevölkerung und knapper werdende landwirtschaftliche Flächen könnten Algen eine ressourcenschonende Ergänzung zu herkömmlichen Lebensmitteln sein. "Nachhaltige Aquakultur oder die Nutzung invasiver Arten kann zusätzliche Lebensmittelquellen schaffen", erklärt Andreas Kunzmann vom ZMT. Im Verbundprojekt "food4future" untersuchen Forschende daher, wie sich wertvolle Inhaltsstoffe in Algen gezielt steigern lassen. Forscher warnen vor zu hohen Erwartungen Gleichzeitig warnen die Wissenschaftler vor zu einfachen Erwartungen: Die Zusammensetzung von Algen schwanke stark und hänge von Licht, Temperatur oder Nährstoffen im Wasser ab. "Das muss bei der Aquakultur berücksichtigt werden", betont Karin Springer von der Universität Bremen. Klar sei aber: Wenig genutzte Arten hätten sowohl ökologisch als auch ernährungsphysiologisch großes Potenzial. "Mit gezieltem Algenanbau können neue Wege für nachhaltige Ernährung erschlossen werden – auch bei uns in Europa", so Brix da Costa.