3,7 Millionen Blutspenden braucht es in Deutschland jedes Jahr. Nun zieht sich die größte Spendergruppe jedoch langsam zurück, Nachfolger werden dringend gesucht. Blut ist kostbar und als Spendengut knapp: Bundesweit werden nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) täglich rund 15.000 Blutspenden für Operationen, Unfallopfer und die Behandlung schwerer Krankheiten wie Krebs benötigt. Doch das System sieht sich mit einer großen Herausforderung konfrontiert: der Alterung der Gesellschaft. Diese wirkt gleich doppelt: Auf der einen Seite steigt mit dem Alter der potenzielle Bedarf an Blutpräparaten. Zugleich verteilt sich die Spendenbereitschaft auf immer weniger Schultern. "Die Generation der Babyboomer hat das System über Jahrzehnte getragen – und fällt jetzt sukzessive aus dem System heraus", sagt Stephan Küpper, Leiter Kommunikation beim DRK-Blutspendedienst West, im Gespräch mit t-online. Zwar ist nach der Änderung des Transfusionsgesetzes die Höchstaltersgrenze für Spender mittlerweile entfallen – Spenden sind somit auch im hohen Alter noch möglich. Entscheidend ist jedoch der Gesundheitszustand. Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, dass dieser eine Blutspende nicht mehr erlaube. Viele Ältere nehmen zudem Medikamente. Auch deren Einnahme macht eine Spende häufig unmöglich. Zu wenige neue Spender Neue Spender werden deshalb dringend gesucht, doch kommen bislang zu selten nach. So ist das Durchschnittsalter der Spender in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen. "Wir brauchen vor allem mehr Menschen, die den Schritt zur ersten Blutspende machen – und daraus eine Routine entwickeln", verdeutlicht Küpper. Das Deutsche Rote Kreuz geht auch deshalb neue Wege. Neben den klassischen mobilen Blutspendeterminen setzt das DRK zunehmend auch auf feste und Pop-up-Blutspendezentren in Einkaufszentren oder Innenstädten. Niedrigschwellige Angebote, mit denen vor allem Erstspender und jüngere Zielgruppen gewonnen werden sollen. Dennoch braucht es grundsätzliche Überzeugungsarbeit. "Blutspenden sind für viele Menschen eine sehr abstrakte Geschichte", sagt Küpper. Schließlich erfahren die Spender nicht, wem mit ihrer Spende geholfen wird. Man müsse die Menschen folglich nicht nur über den Kopf, sondern auch über das Herz erreichen. "Blutspenden ist im Grunde ein Sozialversicherungssystem: Diejenigen, die gesund sind, spenden für diejenigen, die es gerade nicht sind", erläutert Küppers. Ein Vergleich mit der gesetzlichen Krankenversicherung liege somit nicht fern. "Am Ende hoffen wir alle darauf, dass Blut verfügbar ist, wenn wir es selbst einmal brauchen." Rund 3,7 Millionen Spenden brauche es laut Angaben der Krankenkasse AOK im Jahr. Insgesamt 500 Milliliter werden bei einer Blutspende entnommen – genug, um damit bis zu drei Schwerkranken oder Verletzten helfen zu können. Weltmeisterschaft verschärft Sommerloch Allerdings ist die Haltbarkeit stark begrenzt. Blutpräparate halten maximal 42 Tage, manche Konzentrate sogar nur wenige Tage. Nachschub wird folglich permanent benötigt. Und gerade deshalb kann die an diesem Donnerstag gestartete Fußball-Weltmeisterschaft zu einem Problem werden. Ohnehin sieht sich das DRK in den warmen Monaten mit einem Sommerloch konfrontiert. Wenn die Leute im Urlaub sind, fällt die Blutspende aus. Verstärkt wird dieser Knick in der Spendenbereitschaft zusätzlich noch durch das sechs Wochen dauernde Sportspektakel in Übersee. "Je mobiler und abgelenkter die Menschen sind – etwa durch Ferien und Großereignisse –, desto schwieriger wird es mit den Blutspenden", weiß Küpper aus Erfahrung. "Das System gerät in solchen Phasen schnell in Schieflage, weil die Zahl der Spender eben nicht größer, sondern kleiner wird." Wer Blut spenden darf Auch deshalb ruft das Rote Kreuz angesichts des Weltblutspendetags an diesem Sonntag wieder zum Spenden auf. Grundsätzlich darf jeder ab dem 18. Lebensjahr spenden, Frauen vier- und Männer sechsmal innerhalb eines Jahres. Der Zeitraum zwischen zwei Blutspenden muss mindestens acht Wochen betragen. Die Blutzellen erneuert der Körper zwar bereits in zwei Wochen, der Ausgleich des Eisenverlusts dauert aber rund zwei Monate, bei Frauen auch etwas länger. Während der Schwangerschaft und auch nach der Geburt sollen Frauen vorübergehend nicht Blut spenden. Ein zeitlich begrenzter Ausschluss gilt auch nach vielen Impfungen und Auslandsreisen in Malariagebiete oder Länder mit Hepatitisrisiko. Vorübergehend nicht gespendet werden kann nach größeren Operationen, Erkrankungen wie Grippe oder bei Einnahme bestimmter Medikamente wie zum Beispiel Antibiotika. Nach Akupunkturbehandlungen, sofern diese nicht nachweislich steril vorgenommen wurden, sowie Piercings und Tätowierungen wird mindestens vier Monate bis zur nächsten Spende gewartet, um Infektionen sicher auszuschließen. Zudem sind alle Menschen von der Blutspende ausgeschlossen, die innerhalb der zurückliegenden vier Monate ein Sexualverhalten aufwiesen, das ein deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko für durch Blut übertragbare schwere Infektionskrankheiten birgt. Wer schon im Vorfeld abklären möchte, ob er als Spender infrage kommt, kann sich unter der kostenfreien Service-Hotline 0800 1194911 informieren.